Polittalk: Verkehrsproblem ungelöst
Das Projekt Wil West wird – unter anderem – als Lösung für das notorische «Wiler Verkehrsproblem» angepriesen. Mit dem Ja am 8. März hat das Vorhaben eine wichtige Hürde genommen. Bis zur Realisierung ist es aber noch ein weiter Weg.
Es wäre naiv und unverantwortlich, alle Hoffnung in das Projekt Wil West zu setzen. Die Lösung für das «Wiler Verkehrsproblem» liegt nicht in Wil West, sondern im Stadtzentrum. Ein neuer Autobahnanschluss kann die Stadt nicht nachhaltig vom Verkehr entlasten. Längst hat sich in der Verkehrsplanung die Erkenntnis durchgesetzt, dass neu geschaffene Kapazitäten im Strassennetz innert weniger Jahre durch Mehrverkehr «aufgefüllt» werden. Vor allem aber muss man sich fragen, ob eine Verkehrsentlastung für Wil überhaupt erstrebenswert ist. Eine Stadt ohne Verkehr ist eine tote Stadt. In einem prosperierenden, lebendigen Zentrum gibt es zwangsläufig ein hohes Verkehrsaufkommen. Es kann also nicht das Ziel sein, den Verkehr aus der Stadt zu verbannen. Vielmehr gilt es, ihn siedlungsverträglich zu organisieren.
Ziel: Siedlungsorientierte Verkehrsflächen im Stadtzentrum
Hierfür gibt es bewährte Ansätze: Ein dicht getakteter ÖV und eine attraktive Veloinfrastruktur helfen, den motorisierten Verkehr auf ein erträgliches Mass zu reduzieren. Tempo 30 auf stark befahrenen Strassen halbiert die Lärmbelastung und senkt Unfallrisiken signifikant. Zudem lässt sich durch die Reduktion der Spurbreiten wertvoller Raum für Gestaltungsmassnahmen gewinnen. Die Strasse der Zukunft ist mit Bäumen gesäumt, um übermässige Hitzeentwicklung im Sommer zu verhindern. Diese Lösungsansätze wären – im Vergleich zu neuen Strassen und Autobahnanschlüssen – überaus pragmatisch und kosteneffizient. Leider setzt die Politik die falschen Prioritäten. Die Wiler Bevölkerung wird auf ein intelligentes Verkehrsregime noch lange warten müssen.
Sebastian Koller,
GRÜNE prowil,
Mitglied Stadtparlament