Polittalk: Wir brauchen Zukunft für unsere Stadt
Der Steuerfuss ist selten ein Thema, bei dem man sich gerne für höhere Zahlen ausspricht. Für mich ist aber klar: Zu einer verantwortungsvollen Finanzpolitik gehört, dass man auch bei unangenehmen Themen hinsteht und erklärt, warum dieser Schritt nötig ist.
Die finanzielle Situation der Stadt Wil ist angespannt. Wiederkehrende Defizite, steigende Ausgaben und grosse anstehende Aufgaben zeigen, dass wir nicht einfach weitermachen können wie bisher. Mit einem tieferen Steuerfuss würden wir die finanzielle Lücke weiter vergrössern und die Probleme auf kommende Jahre und die nächste Generation verschieben.
121 Prozent lösen unsere finanziellen Herausforderungen nicht auf einen Schlag. Aber sie erhalten unsere Handlungsfähigkeit und helfen, das Defizit zu reduzieren. Gleichzeitig bleibt die Politik gefordert, bei den Ausgaben genau hinzuschauen. Jede Ausgabe muss auf ihre Notwendigkeit und ihren Nutzen überprüft werden. Bei neuen Projekten braucht es klare Prioritäten, bestehende Leistungen müssen regelmässig hinterfragt werden.
Doch etwas muss auch gesagt werden: Die Stadt Wil hat ihren Steuerfuss seit 2018 von 129 auf 115 Prozent gesenkt – der Kanton seinen um 10 Prozentpunkte. Dass diese Steuersenkungen Auswirkungen auf die Einnahmen und damit auf die Stadtfinanzen haben, liegt auf der Hand. Zu behaupten, 115 Prozent würden ausreichen, verkennt deshalb die Realität.
Wil soll investieren können und Wil muss investieren.
Der Sommer 2026 hat gezeigt, wie spürbar die Klimakrise unseren Alltag bereits bestimmt. Als Stadt sind wir gefordert, beim Klimaschutz und bei der Klimaanpassung voranzugehen. Gleichzeitig müssen wir unsere Infrastruktur unterhalten, soziale Aufgaben erfüllen und Wil lebenswert halten. Dafür brauchen wir finanziellen Handlungsspielraum.
Wir dürfen uns nicht kaputtsparen und wichtige Investitionen auf die nächste Generation verschieben.
Deshalb unterstütze ich 121 Prozent. Nicht, weil höhere Steuern das Ziel sind, sondern weil wir Verantwortung für Wil übernehmen wollen. Denn Wil braucht Zukunft.
Meret Grob, GRÜNE prowil
Mitglied Stadtparlament